Christmas Day in Tasmania

In den vergangenen Tagen durften wir erfahren, dass man Weihnachten in Tasmanien besonders ernst nimmt. Am 24. Dezember stellten wir unser kleines Zelt auf einem Campingplatz direkt am Meer auf. Die direkte Aussicht auf den Strand und das Rauschen des Meeres gab es dabei völlig umsonst. An der Reception informierte ein Blatt Papier, dass der Betrieb geschlossen sei. Gleichzeitig wurde man aufgefordert, einen freien Platz zu suchen und es sich dort gemütlich zu machen. Einzige Voraussetzung: Spätestens am Stephanstag um 9.00 musste man den Platz wieder freigeben. Nicht schlecht für eine Anlage an traumhafter Lage inklusive WC, Duschen, BBQ, etc.. Wir nahmen dankend an.

Am nächsten Tag erwachten wir dann in einem völlig ausgestorbenen Ort. An Weihnachten scheint hier keiner seine eigenen vier Wände und die Familie zu verlassen. Sämtliche Läden, Restaurants, Cafės, etc. waren geschlossen. Glücklicherweise verkaufte uns ein ebenfalls geschlossener Take-Away-Shop ein Tetra-Pack Milch. So gab es doch noch ein Frühstück (Corn Flakes hatten wir als Notration im Auto dabei).

Da unser Aufenthaltsort keine Anstalten machte, am Weihnachtstag irgendwann noch zu erwachen, entschlossen wir uns, an einen grösseren Ort weiterzufahren. Wir verliessen die Nordküste in Richtung Ostküste. Auch wenn wir auf dem Weg dorthin zahlreiche grössere und kleinere Dörfer durchquerten, erwartete uns stets die gleiche Botschaft: Sorry we’re closed. Die einzigen geöffneten Pubs waren ausgebucht und servierten einen ausgiebigen Christmas Lunch für die Familien der jeweiligen Ortschaft. Wir fühlten uns irgendwie fremd und vor allem immer hungriger. Schliesslich wurden wir in einem Tankstellen-Shop fündig: Vorgewärmte, original Tasmania Pies im Plastikbeutel. Was für ein Festessen 🙂

Nach dieser Mahlzeit machten wir uns auf die Suche nach einer Bleibe für die Nacht. Wie bereits am Vorabend waren die lokalen Zeltplätze / Unterkünfte geschlossen. Diesmal erwartete uns aber keine Gratis-Übernachtung, sondern lediglich ein „sorry we’re closed“. Schlussendlich waren wir in einem freundlichen Motel dann doch noch willkommen.

Auf der Suche nach dem Nachtessen machten wir erneut Bekanntschaft mit geschlossenen Türen. In Tasmanien scheint man den Feiertag wirklich besonders ernst zu nehmen. Zurück im Motel fragten wir die Eigentümer um Hilfe. Obwohl das eigene Restaurant eigentlich ebenfalls geschlossen war und das ältere Ehepaar einen ihrer beiden einzigen Freitage des Jahres genoss, bestanden sie darauf, uns zu bewirten. Und so durften wir quasi in unserem Privat-Restaurant ein mehrgängiges Weihnachtsessen geniessen. Und uns mit zwei interessanten Persönlichkeiten unterhalten, welche praktisch ihr gesamtes Leben als Hochseefischer arbeiteten und gleichzeitig ein kleines Motel aufbauten. Dieser Weihnachtsabend wird uns in bester Erinnerung bleiben.

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