Kulturschock

Unsere Tage waren gezählt, als wir nach den herrlich entspannenden Tasmanien-Ferien nach Sydney zurückkehrten. Zwar standen uns noch zehn Tage Ferien bevor, doch gemeinsam mit unseren Gedanken rasten auch diese davon. Es musste noch so vieles erledigt werden: Auto verkaufen, Wohnung räumen, Abschiedsparty organisieren, Krankenkassen und Versicherungen kündigen, Adressänderungen durchführen, und so weiter und so fort. Unsere Nervosität erreichte täglich neue Höchstwerte und versetzte unsere Mägen in einen Status der Rebellion. Auch in der globalisierten Welt ist ein Umzug in ein anderes Land nach wie vor erstaunlich aufwändig.

Am Sonntag vor einer Woche startete mit unserem Farewell-Barbeque der Final Countdown. Unsere Wohnung war zum Bersten voll, als wir uns von den Freunden verabschiedeten, welche wir in den dreieinhalb Jahren in Sydney kennengelernt hatten.

Danach folgte das grosse Aufräumen. Als die Spuren der Party beseitigt waren, wartete unser Hab und Gut darauf, aussortiert zu werden. Wenig später besuchten uns bereits die Zügelmänner und ab diesem Zeitpunkt gab es definitiv kein zurück mehr. Es folgten mein Abschied vom Sydney-Office, ein wunderschöner Abend im Open Air Kino mit Blick auf das Opera House, die Harbour Bridge und die Skyline, ein perfekter Freitagabend auf dem Segelboot, ein nachdenkliches, letztes Frühstück in der Oyster Bar am Circular Quay und schliesslich der schmerzhafte Abflug.

Es fiel uns schwer, uns von Sydney zu verabschieden. Eine Woche später fühlen wir uns immer noch als halbe Sydneysider. Im Gegensatz zum damaligen Abschied aus der Schweiz verwirklichen wir uns diesmal keinen grossen Traum und fällt damit alles etwas schwerer. Wir benötigen wahrscheinlich noch mehrere Wochen, bis uns wirklich bewusst wird, dass wir diesmal nicht bloss als Touristen, sondern als Einwohner hier angekommen sind. In Singapur befinden wir uns an einem Ort, welcher seine schönen Seiten hinter einer eindrücklichen, modernen aber nicht immer einladenden Betonfassade versteckt. Im Gegensatz zu Sydney wird man hier nicht von einer traumhaften Landschaft und einem einmaligen Hafen bezaubert. Stattdessen wirken das feuchtheissen Klima, der Dauerregen (momentan ist Monsun Zeit –> siehe Bild), das dicht bebaute Land und die überfüllten Strassen und Einkaufscenter anfänglich eher abstossend. Es bedarf einer inneren Umstellung, bevor man sich hier mit einer neuen Einstellung der Umgebung anpasst und sich der Blick für die lokalen Besonderheiten, Spezialitäten und Schönheiten öffnet.

Aussicht von unserem Apartment

In der ersten Woche beschäftigen wir uns vor allem damit, uns am neuen Ort wieder zu organisieren. Wir erwarben lokale SIM-Karten, Smart Cards für die öffentlichen Transportmittel, eröffneten mit grossen Mühen und viel Papierarbeit ein lokales Konto, besichtigten zahlreiche Wohnungen und besuchten ein befreundetes Schweizer-Paar, welches wir in Sydney kennengelernt hatten. Ausserdem durften wir feststellen, dass die Zutaten für unsere vorwiegend westlichen Lieblingsgerichte ebenso teuer sind wie die Wohnungen.

Heute geht die Suche nach einer passenden Unterkunft bei strömendem Regen weiter. Unser Agent organisierte in einer unserer favorisierten Überbauungen weitere Besichtigungstermine und wird uns in Kürze abholen. Ja, hier wird auch am Sonntag gearbeitet. Singapur schläft nie. Essen, Arbeiten, Einkaufen, alles scheint hier zu jeder Zeit möglich.

Die Wohnungssuche gestaltet sich im Vergleich zu Sydney / Zürich übrigens sehr angenehm: Ein Agent findet aufgrund der Anforderungen mehr oder weniger passende Wohnungen, organisiert Besichtigungstermine und fährt uns zu den verschiedenen Apartments. In diesem Bereich schneidet Singapur besser ab als Sydney. Ausserdem gefallen uns die hochmodernen und effizienten öffentlichen Verkehrsmittel, das konkurrenzlos günstige, schmackhafte, asiatische Essen in den Hawker Zentren sowie die allgemeine Sauberkeit und Sicherheit. In den nächsten Wochen werden hoffentlich weitere Pluspunkte hinzukommen.

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