Vorbereitung auf Indien

Fein säuberlich fülle ich auf der Homepage der lokalen Botschaft einen Visums-Antrag aus. Ich lasse mich weder von den Zertifikats-Fehlermeldungen noch von den unzähligen Fragen abschrecken. Geduldig liste ich die innerhalb der letzten zehn Jahre besuchten Länder auf, beantworte Fragen nach meiner Religion, besonderen Merkmalen, Eltern und Geschlecht; obwohl es mich etwas stutzig macht, dass bei letzterem auch transsexuell zur Auswahl steht. Nach mehreren Seiten bin ich am Ziel und wähle ein Reisebüro in der Nähe meines Arbeitsplatzes als bevorzugten lokalen Agenten aus. Zu guter letzt werde ich aufgefordert, den Antrag auszudrucken, zu unterschreiben und gemeinsam mit einem Passfoto dem Agenturbüro zu überbringen.

Ich staune nicht schlecht, als man dort einige Tage später von Visums-Anträgen nichts wissen will. Es hilft auch nichts, dass ich meinen ausgedruckten Antrag präsentiere und auf die dort erfasste Adresse des Reisebüros verweise. Immerhin wird mir bestätigt, dass ich mich tatsächlich an dieser Adresse befinde. Es benötigt aber einige Fragen mehr, bis man mir erklärt, dass dieser Service eingestellt wurde. Wieso die Homepage immer noch darauf verweist, will mir hingegen keiner beantworten.

Wenig später teilt man mir eine neue Adresse mit. Ich fahre mit der U-Bahn quer durch den Stadtkern und komme verschwitzt in einem weiteren Büro an. Dieses mal werden keine Reisen angeboten, man scheint ganz und gar auf Visums-Anträge spezialisiert. Nur schade, dass ich wenig später erfahre, dass man über keinen Fotoautomaten verfügt, obwohl wahrscheinlich genau dieser Service von praktisch sämtlichen Besuchern täglich benötigt würde. Es kann mir nicht mal mit Gewissheit gesagt werden, wo ich in der näheren Umgebung eine solche Dienstleistung finde. Stattdessen werde ich darüber informiert, dass für den Antrag knapp 100 Singapur Dollar in bar benötigt werden. So kann ich wenigstens auch gleich noch einen Geldautomaten suchen.

Selbstverständlich wollte ich die Passfotos bereits vor dem Besuch des Reisebüros erwerben. Leider war aber der Automat in der Nähe meines Arbeitsplatzes defekt. Und jetzt gestaltet sich die Suche nach einem Ersatz alles andere als einfach. Völlig verschwitzt und sichtlich genervt finde ich schliesslich ein Fotofachgeschäft, dessen Inhaberin mich mit einer Handkamera ablichtet. Jetzt muss nur noch ein Geldautomat her. In Singapur gestaltet sich aber selbst dieses Unterfangen nicht immer ganz einfach. Als Citibank Kunde habe ich lediglich Zugang zu den Automaten von Citibank und von einigen wenigen internationalen Banken. Es kommt, wie es kommen muss: Als der Automat endlich gefunden ist, meldet sich dieser mit der Meldung „out of service“. Auf zur nächsten U-Bahn-Station (meine Bank verteilt ihre Geldautomaten auf die verschiedenen U-Bahn-Stationen der Stadt). Dort bin ich erfolgreich und besteige kurz darauf den nächsten Zug zurück zum Visums-Büro. 

Nach einer kurzen Wartezeit überreiche ich meine Unterlagen, präsentiere stolz mein hart erarbeitetes Passfoto und bezahle die fälligen Gebühren. Endlich überstanden. Knapp zweieinhalb Stunden nachdem ich meinen Arbeitsplatz verlassen habe, mache ich mich auf den Weg zurück. Um kurze Zeit später einen Anruf zu erhalten.

Offensichtlich vergass man, mir eines der für das Visum benötigen Formulare zu überreichen. Ich kann es kaum glauben, bin aber vor lauter Ärger zu keiner richtigen Reaktion bereit. Noch etwas mehr verschwitzt komme ich erneut im Visums-Büro an. Dieses Mal dauert es nicht lange und ich kann gleich damit beginnen, ein weiteres Formular auszufüllen; wieso bleibt mir bis heute ein Rätsel. Es ging lediglich darum, eine beschränkte Anzahl der im Antrag enthaltenen Informationen ohne Unterschrift erneut aufzulisten. Das ganze hätte problemlos von der Sachbearbeiterin erledigt werden können. Wenigstens konnte ich mich nun endlich mit dem Mittagessen befassen. Nicht aber ohne zuerst darüber informiert zu werden, dass das Visum in einer Woche pünktlich zwischen 17:30 und 18:30 Uhr abgeholt werden müsse. Meine Frage nach einem Alternativtermin wurde dankend abgewiesen.

Selbstverständlich melde ich mich eine Woche später pünktlich zurück. Das Visum braucht aber etwas mehr Zeit und steht leider noch nicht zur Verfügung. Es bereitet mir Mühe, meinen Ärger zurückzuhalten, aber es bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Die Frage, wieso man mich vorgängig nicht kontaktiert habe, wird mit einem verlegenen Lächeln quittiert. Ich könne gerne bis nach 19:00 Uhr warten und das Visum danach allenfalls entgegennehmen. Diesmal lehne ich dankend ab und verabschiede mich auf morgen.

Am nächsten Tag ist es mir nicht möglich, telefonisch zu bestätigen, ob das Visum auch tatsächlich parat sei (die auf der Bestätigung aufgedruckte Nummer war entweder besetzt oder defekt). Und so fahre ich auf gut Glück wieder in das mir lieb gewordene Büro; und bin diesmal erfolgreich.

Nächsten Sonntag fliege ich zum ersten Mal nach Indien, um eine Hochzeit in Delhi zu besuchen. Schwer vorstellbar, was mich dort erwarten wird. Die Geschichte mit dem Visum war wohl nur ein kleiner Vorgeschmack.

2 thoughts on “Vorbereitung auf Indien

  1. Wow, das klingt ja echt nach einem Abenteuer. Mein Indien Visum war dagegen ja ein Spaziergang. Antrag ausfüllen, Foto beilegen, bei unserer Sekretärin samt Pass abgeben, nach einer Woche mit Visum wieder am Schreibtisch… Ich versteh nicht, warum das bei dir sooooo anstrengend klingt 😉
    Viel Spaß auf der Hochzeit.

    • Hab ich mir schon gedacht, dass dieser Prozess nicht immer so schlecht funktionieren kann. Das nächste Mal muss ich wohl auch unsere Sekretärin involvieren 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s